Bei der Heiligabend-Aktion der
Kirchen fanden 500 Bedürftige den Weg ins E-Werk
Bei
Hackbraten und Kartoffelsalat feierten auch in diesem Jahr 500
Bedürftige im Burbacher E-Werk den Heiligabend. Ob Obdach- oder
Wohnungslose, arme Alleinstehende oder bedürftige Familien. Bei
diesem Fest musste sich niemand in die Schlange stellen.
Von
SZ-Mitarbeiter Andreas Lang
Zufrieden blickt Dirk K. von oben
auf sein Werk. Er sitzt in der Helfer-Lounge im E-Werk auf den Burbacher
Saarterassen und beobachtet, wie es sich unten mehr als 500
Leidensgenossen bei der Heiligabend-Aktion einmal gut gehen lassen.
„Zwei Tage lang habe ich hier mit vielen anderen geschuftet, damit das
heute so schön wird“, berichtet er. Von den Tischen über
die weihnachtliche Dekoration bis zur letzten Gabel musste schließlich
alles vorbereitet werden.
Der 30-Jährige ist gerade erst
aus der Haft entlassen worden, jetzt ist er nach eigenen Angaben
„wohnungs- aber nicht obdachlos“. In seinen Augen spiegelt
sich tiefe Dankbarkeit: „Es ist der Wahnsinn, was die Kirchen hier
alles auf die Beine stellen.“ Unten im Saal seien viele Freunde, die das
Programm und das Essen genießen. Hackbraten, Kartoffel- und
Karottensalat gibt es. Für diese Mahlzeit müssen sich die
Bedürftigen – unter ihnen nicht nur Wohnungslose, auch arme
Alleinstehende, bedürftige Familien und Menschen, die sich alleine
fühlen – bei diesem Fest einmal nicht hinten in der Schlange
anstellen. Das Servieren erledigen hier die über hundert Helfer, die Teller
um Teller zu den sonst randständigen Personen an den Tischen
bringen. Es tut offenbar gut, einmal am hübsch gedeckten Tisch mit
sauberem Tischtuch, weihnachtlicher Dekoration, glänzendem Besteck
und glitzernden Gläsern auf das warme Essen zu warten und sich dabei
mit dem Tischnachbar zu unterhalten. Zumal es auf der Bühne
Unterhaltung gibt. Da wird gerappt und gesungen, das Blasorchester
Dudweiler lässt Posaunen und Trompeten erschallen. Die Tanzschule
Euschen-Gebhardt ist wie Gitarrist Hector Zamora Stammgast bei der
Heiligabend-Aktion. Auch am vergangenen Donnerstag, als die Aktion einen
runden Geburtstag feierte: Sie ging zum 40. Mal über die Bühne.
Zamora sagt, warum er hier so gerne spielt: „Diese Leute sind ein
ganz tolles Publikum, sie erzeugen eine ganz besondere
Stimmung.“
Der Moderator des Abends, Diakon
Horst-Peter Rauguth, berichtet, ein erneuter Besucherrekord sei
ausgeblieben. Wie im Vorjahr seien gut 500 Gäste gekommen. Im
E-Werk fühlen sich alle Beteiligten offenbar wohl. Rauguth: „Ich
denke, die Lösung mit dem E-Werk ist ideal, das bestätigen auch
alle.“ Anders als in den Gemeindesälen in der Stadt und dem Zelt
auf dem Hela-Gelände sei es hier möglich, so viele Gäste
ordentlich zu bewirten. In der Halle könne der Bereich, wo zum
Abschluss die Gabentüten mit den Lebensmitteln und Hygieneartikeln
ausgegeben werden, vom Veranstaltungsbereich abgetrennt werden. Auch
eine Kinderbetreuung ist hier eingerichtet. Die werde immer stärker
nachgefragt. Rauguth: „Die Eltern von etwa 50 Kindern haben von
diesem Angebot Gebrauch gemacht.“ Für die Kleinen gibt es
später eine Extra-Überraschung, viele Saarbrücker haben
Spielzeug gespendet.
Saarbrückens
Oberbürgermeisterin Charlotte Britz ist wie auch in den Jahren zuvor
ebenfalls unter den Gästen. Auch die Gesellschaft für Innovation
und Unternehmensförderung (GIU) hat eine Abordnung geschickt. Sie
hat das E-Werk miet- und kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Zurück zu Dirk, der von der Galerie noch immer auf sein Werk
blickt. „Später“, so sagt der Wohnungslose, „wird
es Einladungen von denen geben, die ein Dach über dem Kopf
haben.“ Zum Warmschlafen, wie die Wohnungslosen das nennen.
„Wahnsinn“, sagt er noch einmal, „was die auf die Beine
stellen.“
Quelle: Saarbrücker Zeitung vom
28.12.2009








